Wir brauchen weniger Toast!

Ich mag Just Cause 2, rege mich aber trotzdem darüber auf.

Immer noch zuviel Kompromisse — das ist die Tragödie von Just Cause 2, aber eher ein Tragödchen. Da wo es wichtig ist, ist es dagegen makellos. In meinem aktuellen Test für die intro vergleiche ich die Höhepunkte mit dem Fiebertraum eines Dreizehnjährigen. Das ist ein Kompliment.

Just Cause 2 ist also großartig, wenn man Statuen feindlicher Diktatoren an aufsteigende Hubschrauber heften will, oder zwei Gegner aneinander. Leider ist es in einigen Punkten aber auch richtig schlecht. Und die irritieren mich.

Warum wird überhaupt so getan, als hätte man eine Geschichte zu erzählen, wenn das eindeutig nicht der Fall ist? Die besten Charaktere in Just Cause 2 sind uralte Klischees, die meisten besitzen einfach keine Eigenschaften. Auch Protagonist Rico begnügt sich mit starken Unterschenkeln und einem Akzent. Dass eine interessante Geschichte und ein explodierender Sandkasten nicht unbedingt Hand in Hand gehen, verstehe ich ja. Aber warum hat Just Cause 2 überhaupt eine Geschichte? Wie wäre es, wenn ich mir mein Maskottchen selbst erstelle und einfach Chaos stifte? Ich könnte immer noch für Fraktionen arbeiten, der Chaoszähler könnte immer noch benutzt werden, um neue Inhalte freizuschalten, und einige der sinnlosesten Zwischensequenzen der letzten Jahre hätten nicht produziert werden müssen.

Nicht weit genug geht Just Cause 2 auch bei den normalen Missionen. Auch die gehören abgeschafft. Sie gehen gegen alles, was Just Cause 2 gut macht: wildes Ausprobieren, dumme Experimente, Kontrollverlust. Sobald es Eskortpersonen gibt, oder eng abgegrenzte Missionsareale, die man nicht verlassen darf, hört der Spaß auf.

1.04.2010 · 2 Kommentare

2 Kommentare bis jetzt ↓

  • Chris // 1. Apr, 2010 at 5:52 pm

    Auf ne gewisse Art finde ich die “Story” von Just Cause 2 ja genialer als die meisten anderen, die ich in Sandboxgames bisher gesehen habe.

    Erstmal ist die Action an sich ja auch “silly”. James Bond kann nicht halb so viel wie Rico. Die Geschichte ergibt genausowenig Sinn wie die Action.

    Zweitens verlangt sie von mir genau das, was in Sandboxspielen sowieso am meisten Spaß macht. Scheiße bauen. Chaos stiften. In GTA4 habe ich die Story bis an den Punkt gespielt, an dem ich die gesamte Spielwelt betreten konnte. Hier kann ich das von Anfang an und der komplette Spielinhalt ist das, was ich in GTA gemacht hab, als ich auf Story keinen Bock mehr hatte.

    Ein paar der normalen Missionen fand ich durchaus gut, um die wärs schade. Der Quatsch mit den Japanern zum Beispiel. Die übrigen muss man ja nicht machen.

    Richtig übel fand ich nur die Festungsmissionen, weil der Ablauf hier jedes Mal exakt der gleiche ist.

  • Jan // 3. Apr, 2010 at 1:21 pm

    “…der komplette Spielinhalt ist das, was ich in GTA gemacht hab, als ich auf Story keinen Bock mehr hatte.”
    Schön gesagt. Und genau da hätte ich mir mehr Konsequenz gewünscht. Es gab zugegeben auch nette Missionen, aber nichts, was mir je so gut gefallen hätte, wie die Action abseits davon. Und eben einige Todsünden. Eskortmissionen sind auch in strikt linearen, durchgeskripteten Spielen oft problematisch. Warum also ausgerechnet hier? Bei mir liegt die Toleranzschwelle für allzu konkrete Aufgaben in Open-World-Spielen niedrig. Aber hier kann man die Missionen immerhin ignorieren, ohne bestraft zu werden. Das ist ein großer Fortschritt gegenüber den meisten Konkurrenten.

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